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HAZ Hannover-Update - Eine Frage des Vertrauens

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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,
lassen Sie uns diesen Donnerstag mit einer positiven Nachricht beginnen: In Hannover laufen seit gestern die Corona-Impfungen in den Arztpraxen. Damit soll, so der Plan, der Kampf gegen die Pandemie bedeutend an Fahrt aufnehmen. Eine der ersten, die hier an der Reihe waren, ist Barbara Hoffmann aus der List. Sie hat von vornherein darauf gewartet, sich von ihrem Hausarzt impfen zu lassen - um einen Termin beim Impfzentrum hat sie sich gar nicht erst bemüht. „Hier kennt man uns, da habe ich Vertrauen, und dafür warte ich gerne auch ein paar Wochen länger“, hat sie meiner Kollegin Susanna Bauch berichtet.
Ohnehin ist derzeit viel von Vertrauen die Rede - je nach Anlass wahlweise von nötigem, erhofftem, berechtigtem oder verspieltem Vertrauen. Das Hin und Her um den Impfstoff von Astrazeneca ist zumindest verwirrend. Nachdem die Ständige Impfkommission das Vakzin in Deutschland zuletzt nur für über 60-Jährige empfohlen hat, kam gestern die aktuelle Bewertung durch die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA). Ihre Empfehlung: Es gelten weiter keine Einschränkungen, obwohl es in seltenen Fällen zu Blutgerinnseln gekommen sei. Der Nutzen sei aber höher als die Risiken zu bewerten. Ebenfalls gestern entschied Großbritannien, Menschen unter 30 Jahren nicht mehr mit Astrazeneca zu impfen. Es bleibt also kompliziert.
Das gilt auch für Corona-Maßnahmen wie die in der vergangenen Woche für die Region Hannover verhängte nächtliche Ausgangssperre. Nach der heftigen Kritik vom Oberverwaltungsgericht ist die “voraussichtlich rechtswidrige” Anordnung nun zwar wieder außer Kraft gesetzt, aber die Wucht der richterlichen Worte hallt nach - zumal das Gericht in Lüneburg der Pandemiebekämpfung in Hannover generell kein gutes Zeugnis ausgestellt hat. Ist die Kritik berechtigt? Und warum haben Ausgangssperren in anderen Städten noch Bestand? Lesen Sie hier eine Analyse meiner Kollegen Karl Doeleke, Alina Stillahn und Michael B. Berger.
Bestätigt durch das Urteil sieht sich Felix Hoffmeyer. Der Anwalt aus Hannover hatte mit seiner Klage den Stein erst ins Rollen gebracht. Im Video-Interview erklärt er nun, was ihn dazu bewogen hat, gegen die Ausgangssperre vorzugehen. “Wir haben ganz klar vor Augen geführt bekommen, dass die Politik hier auch gewisse Spielregeln einzuhalten hat”, sagt der Jurist. Das gelte insbesondere da, wo die Grundrechte Dritter betroffen seien. Aufatmen dürften nach dem Richterspruch auch die rund 500 Menschen, die gegen die Ausgangssperre in den wenigen Tagen ihrer Gültigkeit verstoßen haben - die Region Hannover wird das Bußgeld von jeweils rund 150 Euro nicht einfordern.
Ebenfalls in der Kritik steht die Luca-App zur Kontaktnachverfolgung, mit der das Gesundheitsamt der Region Hannover bereits seine Datenbanken verknüpft hat. Einfach und schnell soll die App dokumentieren, wer sich zu einer bestimmten Zeit etwa in einem Restaurant oder in einem Fitnessstudio aufgehalten hat. Doch wie zuverlässig sind die Daten? Der Satiriker Jan Böhmermann hat jedenfalls öffentlichkeitswirksam dokumentiert, wie er sich von Potsdam aus mit wenigen Klicks in den Osnabrücker Zoo eingeloggt hat. Bislang zumindest hält die Region aber noch an der Luca-App fest - betont jedoch, “fortlaufend zu prüfen, welche anderen Entwicklungen auf dem Markt” seien.
Es ist schon beachtlich, mit welchem Tempo Entscheidungen in diesen Tagen ihre Gültigkeit verlieren. Bleiben Sie zuversichtlich.
Herzliche Grüße, Ihre
Astrid Fabricius
Chefin vom Dienst im HAZ-Newsroom
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